• Thomas Schütz

KUNST WORKSHOP MIT EMILIE LAUWERS

Aktualisiert: 25. Juli 2018

Am vergangenen Samstag war es so weit. Zehn Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren machten sich gemeinsam mit Emilie Lauwers und mir auf den Weg zur Frasdorfer Hütte. Eine bunte Gruppe mit Kindern deutscher und afghanischer Herkunft, die allesamt im Chiemgau leben. Dort oben auf der "Frasi" veranstaltete NIGHTINGALE erstmals einen Kunst-Workshop. Emilie Lauwers, die den Kurs leitete, reiste extra hierfür aus Belgien an. Belgien, ein Land in dem die Kunst nicht zum Selbstzweck existiert, sondern ein ganz natürlicher Bestandteil im Alltag der dort lebenden Menschen ist. KünstlerInnen wie Emilie sind selten anzutreffen. Sie verkörpert eben diese Natürlichkeit des Künstlerischen gepaart mit Kreativität, Können und Aufrichtigkeit. Kinder spüren dies und so bildete sich währende des Auftsiegs bald eine Traube Kinder um Emilie, die wie ein Magnet auf Kinder zu wirken scheint. Während der Wanderung beobachteten wir die Natur, erzählten uns Geschichten, Witze und Emilie erhielt Deutschunterricht. :) Nach dem herrlich wolkenverhangenen Aufstieg auf der Hütte angekommen, legten wir los in einem gemütlichen Raum, breiteten unsere Sachen aus und haben auf wundervoll spielerische Art und Weise von Emilie den Unterschied zwischen Natur und Kultur erklärt bekommen.


Aufstieg zur Frasi, Albrecht Dürer als Vorbild und Emilies Schatztruhe

Wir nutzten die Intimität und Ruhe der Hütte, um uns von Albrecht Dürer inspirieren zu lassen, ehe wir dann selbst zu Füller, Tinte und Papier griffen und Federn, zig Federn zeichneten. In ihrer Schönheit, Feinheit und Einmaligkeit. Im Detail...eben so, wie es in der Renaissance usus war. Es herrschte Stille, Ruhe und eine Atmosphäre des Inspiriertwerdens. Und so arbeiteten wir bis zum Mittagessen, wobei die Zeit im Flug zu vergehen schien. Vor Gulaschsuppe, Wurstsalat, Debreziner und Kartoffelsalat testeten wir noch aus, wieviele Grün-Töne man mit einem Wasserkasten zeichnen kann. 20 hat jeder von uns

geschafft, dann wurde der Hunger zu groß.


Pause.


Black Ink, gezeichnete Federn und ihre Schatten

10 x 20 Grüntöne

Nachmittags ließen wir Albrecht Dürer hinter uns. Emotionen standen auf dem Plan und William Turner diente als Vorbild. Es regnete, was uns dazu einlud nach draußen zu gehen und zwei überdachte Tische an der Hauswand der Hütte zu besetzen. Wieder beobachteten wir die Natur, die vorbeiziehenden Wolkenformationen, die Regentropfen, das Wiegen der Äste im Wind und die Rotkehlchen, die sich zu uns gesellten. Tinte und Füller tauschten wir gegen Wasserfarben ein. Weg vom Detail, hin zur Farbigkeit, zu großen Strichen und hin zur Stimmung, die uns die Natur geschenkt hat. Unterschiedlichste Motive sind entstanden, eine Fülle an Farben fand den Weg auf die Papiere und die Regentropfen tropften. Solange bis sie nicht mehr tropften und Platz für die Sonne und das herrliche Spiel der Lichtspenderin mit den Wolkenformationen gemacht haben.


Kunst in den Bergen

Den Weg zurück in unseren gemütlichen Hüttenraum fanden wir nur noch, wenn wir Utensilien und Materialien aus Emilies Materialienkoffer benötigten. Eine Schatztruhe. Ansonsten waren wir zu begeistert vom Arbeiten und Malen in der Natur. Origamis und der damit verbunden Herzenswunsch den man frei hat, wenn man 1000 Stück solcher Phantasiekreaturen erschafft, haben die Kinder ebenso begeistert, wie das Zeichnen der später als Vorlage dienenden Papierkunstwerke mit Kohle. Licht und Schatten zeichnen. Mit Kohle. Aufregend, spannend und gar nicht so einfach.

Mit Emilies Anleitung aber irgendwie schon.


Origamis und der Wunsch nach Weltfrieden

Die Tausend haben wir zwar nicht vollgemacht, aber die Fähigkeit, die Technik und die Begeisterung dafür mitbekommen.

Am Abend, nachdem wir uns auf dem Spielplatz ausgetobt haben, wanderten wir zurück zum Parkplatz Lederstuben, unserem Ausgangspunkt. Englisch hörte man die Kinder auf dem Rückweg immer wieder sprechen. Auf Englisch hatte Emilie während des Workshops zu den Kindern gesprochen und ich habe es übersetzt. Anfangs noch - denn am Ende des Tages war dies nicht mehr nötig. Die Kinder haben ganz im Nebenbei die universellste aller Sprachen selbst angewendet. Die Wanderung nutzten wir diesmal nicht für Deutsch- oder sonstigen Sprachunterricht, sondern zum Revue-Passieren des Erlebten, denn am Parkplatz präsentierten wir die Kunstwerke den wartenden Eltern. Natur und Kultur. Sie sind so verwoben und doch kann die eine ohne die andere. Die andere aber nicht ohne die eine.


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